Pausenhofspiele

von Rena vor 6 Monaten

Der Mitarbeiterparkplatz meines Arbeitgebers liegt eine Viertelstunde Fußmarsch von meinem Büro entfernt – wenn ich mich so von hinten durch die Brust ins Auge durch’s Gelände schlage. Das Betriebsgelände ist riesengroß und es wird ständig irgendein großer Kasten wahlweise gebaut oder abgerissen. Gestern nun war mein kleiner Geheimweg ins Büro abgeriegelt und ich musste mitten durch eine Baustelle. Baustellen – vor allem die mit tiefen Löchern – sind immer mit diesem rot-weißen Plastikband gekennzeichnet. Und beim un-eleganten Versuch, da drüber zu steigen oder mich unten durch zu bücken, fiel mir mein Schulpausenhof ein. Und die Spiele, die ich dort gespielt habe. Allen voran der allseits beliebte Gummitwist.

Soviel vorab: DAS GEHT HEUT GAR NICHT MEHR! Verbotenerweise habe ich gestern das blöde Baustellenplastikabsperrband gewaltsam auseinander gerissen, weil weder „Drüber“ noch „Drunter“ geklappt hat. Vor gefühlten hundert Jahren, als ich noch ein Schulkind war, hätten mich meine Freundinnen auf dem Pausenhof ausgelacht. Ich hätte mich dermaßen blamiert, weil ich den Pipifax-Sprung aus dem Stand über das hüfthoch gespannte Band mit gekreuzten Armen und Beinen nicht hingekriegt hätte.

Und das erinnert mich automatisch an das nächste beliebte Pausenhofspiel: Himmel und Hölle. Mit einem Bein in Dutzende-wenn-nicht-Hunderte Kreidekästchen rein hüpfen ohne auf die Linie zu treten und immer über das Kästchen mit dem Steinchen drüber weg und schnell um die eigene Achse umdrehen und dann das Ganze rückwärts... Mit Mitte Vierzig und etwas Übergewicht wäre das ein einziger, zäher Kampf gegen die Schwerkraft, den ich persönlich wahrscheinlich nicht mehr länger als zwei-drei Hüpfer durchhalten könnte. Auf der gestrigen Baustelle jedenfalls bin ich nach dem Absperrband-Limbo dann durch den Pfützen-und-Zementhaufen-Hindernisparcour gehüpft. In Pumps. Ungratiös.

Ja, und dann bin ich schon beim Völkerball! Drama! Es ist so abgrundtief peinlich, wenn man wie ich, erstens, immer zu den Kindern gehörte, die beim Bilden von Mannschaften am Schluss zwangsverteilt werden. Was aber, zweitens, nicht spielentscheidend war, weil ich als motorischer Depp eh gleich vom Ball der Gegner getroffen und somit abgeschossen wurde. Was das nun wieder mit der Baustelle zu tun haben könnte weiß ich nicht – es gab gottseidank keine Zeugen meines Bürowegdramas, und mit einem Ball wurde ich auch nicht beworfen.

Aber was meine Erinnerungen auch zeigen: Auf dem Pausenplatz haben wir Kinder uns spielerisch bewegt. An Prügeleien erinnere ich mich nicht, vielleicht an Schneeballschlachten – aber Gewalt eigentlich nicht. Wir haben gemeinsam gespielt und unseren Bewegungsdrang ausgelebt. Wie ist das heute? Gibt es die alten Spiele noch? Wird noch geknobelt, geschussert, (verbotenerweise) Räuber-und-Gendarm oder Blindekuh (oijoijoi- war sowas von total verboten!) gespielt? Oder sind die Kinder heute eher mit Nintendo & Co beschäftigt?

Erzählen Sie doch, wie das in Ihrer Schulzeit war, und wie Sie den Pausenhof heute erleben – und wie Sie Ihre Kinder, Ihre Schüler vielleicht doch zum gemeinsamen Spielen ermuntern.

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