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Textanalyse: Theodor W. Adornos Rede über Lyrik und Gesellschaft

Autor: Cornelsen Verlag, 2010    6 Autorenpunkte Fach: ,

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Textanalyse Theodor W. Adornos Rede über Lyrik und Gesellschaft Textauszüge aus Adornos Rede über Lyrik und Gesellschaft bereiten mittels entsprechender Arbeitsaufträge die Interpretation von Hans Magnus Enzensbergers Gedicht call it love vor. 95160 Theodor W. Adorno zum 100. Geburtstag Es gibt kein richtiges Leben im falschen Die Wirklichkeit der Kunstwerke zeugt für die Möglichkeit des Möglichen. Th. W. Adorno sthetische Theorie Frankfurt M. 1970 S. 200 Theodor W. Adorno diagnostiziert den gesellschaftlichen Zustand als geprägt von Kälte und Lieblosigkeit. Diese Kennzeichnung gelte so allgemein dass die heutige Gesellschaft als Wirklichkeit des falschen Lebens begriffen werden muss. Und nicht einmal das begriffliche Denken könne in diesem falschen Leben aus sich heraus eine angemessene Vorstellung vom richtigen Leben entwickeln. Adorno verweist uns an die Kunst. In ihren authentischen Werken scheine Wahrheit auf die aber der Rekonstruktion durch interpretierendes Denken bedarf. In seiner berühmten Rede über Lyrik und Gesellschaft entwickelt Adorno diesen Gedanken genauer Der Gehalt eines Gedichts ist nicht bloß der Ausdruck individueller Regungen und Erfahrungen. Sondern diese werden überhaupt erst dann künstlerisch wenn sie gerade vermöge der Spezifikation ihres ästhetischen Geformtseins Anteil am Allgemeinen gewinnen. Nicht dass das was das lyrische Gedicht ausdrückt unmittelbar das sein müsste was alle erleben. Seine Allgemeinheit ist keine 1 volont de tous keine der bloßen Kommunikationen dessen was die anderen nur eben nicht 2 kommunizieren können. Sondern die Versenkung ins Individuierte erhebt das lyrische Gedicht 3 dadurch zum Allgemeinen dass es Unentstelltes Unerfasstes noch nicht Subsumiertes in die Erscheinung setzt und so geistig etwas vorwegnimmt von einem Zustand in dem kein schlecht 4 Allgemeines nämlich zutiefst Partikulares mehr das andere Menschliche fesselte. Von rückhaltloser Individuation erhofft sich das lyrische Gebilde das Allgemeine. Ihr eigentümliches Risiko aber hat Lyrik daran dass ihr Individuationsprinzip nie die Erzeugung von Verpflichtendem Authentischem garantiert. Sie hat keine Macht darüber ob sie nicht in der Zufälligkeit der bloßen abgespaltenen Existenz verharrt. Jene Allgemeinheit des lyrischen Gehalts jedoch ist wesentlich gesellschaftlich. Nur der versteht was das Gedicht sagt wer in dessen Einsamkeit der Menschheit Stimme vernimmt ja noch die Ein5 samkeit des lyrischen Wortes ist von der individualistischen und schließlich atomistischen Gesellschaft vorgezeichnet so wie umgekehrt seine allgemeine Verbindlichkeit von der Dichte seiner Individuation lebt. Daher aber ist das Denken des Kunstwerks berechtigt und verpflichtet dem gesellschaftlichen Gehalt konkret nachzufragen nicht bei dem vagen Gefühl eines Allgemeinen und Umfangenden sich zu beruhigen. Solche denkende Bestimmung ist keine kunstfremde und äußerliche Reflexion sondern wird von jedem sprachlichen Gebilde gefordert. Sein eigenes Material die Begriffe erschöpfen sich nicht in der bloßen Anschauung. Um ästhetisch angeschaut werden zu können wollen sie immer auch gedacht werden und der Gedanke einmal vom Gedicht ins Spiel 6 gesetzt lässt sich nicht auf dessen Geheiß sistieren . Dieser Gedanke aber die gesellschaftliche Deutung von Lyrik wie übrigens von allen Kunstwerken darf danach nicht unvermittelt auf den gesellschaftlichen Standort oder die gesellschaftliche Interessenlage der Werke oder gar ihrer Autoren zielen. Vielmehr hat sie auszumachen wie das Ganze einer Gesellschaft als einer in sich widerspruchsvollen Einheit im Kunstwerk erscheint worin das Kunstwerk ihr zu Willen bleibt worin es über sie hinausgeht. Das Verfahren muss nach der Sprache der Philosophie immanent sein. Gesellschaftliche Begriffe sollen nicht von außen an die Gebilde herangetragen sondern geschöpft werden aus der genauen Anschauung von diesen selbst. Der Satz aus Goethes Maximen und Reflexionen dass du was du nicht verstehst auch nicht besitzest gilt nicht nur für das ästhetische Verhältnis zu Kunstwerken sondern ebenso für die ästhetische Theorie 5 10 15 20 25 30 Autor Viktor Rintelen 1 3 2003 Cornelsen Verlag Berlin Alle Rechte vorbehalten Theodor W. Adorno zum 100. Geburtstag Es gibt kein richtiges Leben im falschen 35 40 45 50 55 60 Nichts was nicht in den Werken ihrer eigenen Gestalt ist legitimiert die Entscheidung darüber was ihr Gehalt das Gedichtete selber gesellschaftlich vorstellt. Das zu bestimmen verlangt freilich Wissen wie vom Inneren der Kunstwerke so auch von der Gesellschaft draußen. Aber verbindlich ist dies Wissen nur wenn es in dem rein Der Sache sich berlassen sich wiederentdeckt. Wachsamkeit ist geboten zumal dem heute ins Unerträgliche ausgewalzten Ideologiebegriff gegenüber. Denn Ideologie ist Unwahrheit falsches Bewusstsein Lüge. Sie offenbart sich im Misslingen der Kunstwerke ihrem Falschen in sich und wird getroffen von Kritik. Großen Kunstwerken aber die an Gestaltung und allein dadurch an tendenzieller Versöhnung tragender Widersprüche des realen Daseins ihr Wesen haben nachzusagen sie seien Ideologie tut nicht bloß ihrem eigenen Wahrheitsgehalt unrecht sondern verfälscht auch den Ideologiebegriff. Dieser behauptet nicht aller Geist tauge nur dazu dass irgendwelche Menschen irgendwelche partikularen Interessen als allgemein unterschieben sondern will den bestimmten falschen Geist entlarven und ihn zugleich in seiner Notwendigkeit begreifen. Kunstwerke jedoch haben ihre Größe einzig daran dass sie sprechen lassen was die Ideologie verbirgt. Ihr Gelingen selber geht mögen sie es wollen oder nicht übers falsche Bewusstsein hinaus. Lassen Sie mich an Ihr eigenes Misstrauen anknüpfen. Sie empfinden die Lyrik als ein der Gesellschaft Entgegengesetztes durchaus Individuelles. Ihr Affekt hält daran fest dass es so bleiben soll dass der lyrische Ausdruck gegenständlicher Schwere entronnen das Bild eines Lebens beschwöre das frei sei vom Zwang der herrschenden Praxis der Nützlichkeit vom Druck der sturen Selbsterhaltung. Diese Forderung an die Lyrik jedoch die des jungfräulichen Wortes ist in sich selbst gesellschaftlich. Sie impliziert den Protest gegen einen gesellschaftlichen Zustand den jeder Einzelne als sich feindlich fremd kalt bedrückend erfährt und negativ prägt der Zustand dem Gebilde sich ein Je schwerer er lastet desto unnachgiebiger widersteht ihm das Gebilde indem es keinem Heterono7 men sich beugt und sich gänzlich nach dem je eigenen Gesetz konstituiert. Sein Abstand vom bloßen Dasein wird zum Maß von dessen Falschem und Schlechtem. Im Protest dagegen spricht das Ge8 dicht den Traum einer Welt aus in der es anders wäre. Die Ideosynkrasie des lyrischen Geistes gegen die bergewalt der Dinge ist eine Reaktionsform auf die Verdinglichung der Welt der Herrschaft von Waren über Menschen die seit Beginn der Neuzeit sich ausgebreitet seit der industriellen Revolution zur herrschenden Gewalt des Lebens sich entfaltet hat. 1 2 3 4 5 6 7 8 Gesamtwille Summe aller Einzelwillen im Unterschied zum volont g n rale Gemeinwille von Individuation psychol. Reifungs Wandlungs u. Differenzierungsprozess des Selbst von subsumieren das Besondere unter das Allgemeine einordnen von partikular einen Teil betreffend in kleinste Teile aufgelöst ein Verfahren zum Stillstand bringen einstellen etwas von fremder Gesetzlichkeit Abhängiges Abneigung Abscheu aus Th.W. Adorno Noten zur Literatur Frankfurt M. 1965 S. 75 ff. 1. Versuchen Sie sich eine Vorstellung von etwas Unentstelltem Unerfasstem noch nicht Subsumiertem zu bilden indem Sie sich an ein Erlebnis oder an ein Gefühl erinnern das in dieser Weise nur Sie allein gehabt haben können und das in angemessene Worte zu fassen Ihnen schwer fällt. Zur Versprachlichung können Ihnen Vergleiche Bilder Metaphern vielleicht sogar Wortneuschöpfungen helfen. 2. Haben Sie ein Kunstwerk sei es aus dem Bereich der Dichtung der Musik oder der bildenden Kunst schon einmal so wahrgenommen dass Sie sich tief beunruhigt betroffen beglückt oder erschüttert fühlten 3. Kitsch wird oft mit dem Attribut verlogen verbunden. Worin besteht Ihrer Ansicht nach die Lüge in kitschigen Darstellungen Was hat Kitsch mit dem von Adorno angesprochenen falschen Bewusstsein Z. 47 zu tun Autor Viktor Rintelen 2 3 2003 Cornelsen Verlag Berlin Alle Rechte vorbehalten Theodor W. Adorno zum 100. Geburtstag Es gibt kein richtiges Leben im falschen Adorno spricht von der Forderung des jungfräulichen Wortes Z. 52 an die Lyrik. Die bildliche Umschreibung verweist auf erwünschte Eigenschaften der lyrischen Sprache wie Reinheit Unberührtheit und Authentizität. Um was es sich dabei in der lyrischen Praxis handeln könnte soll beispielhaft an einem Gedicht von Hans Magnus Enzensberger untersucht werden call it love jetzt summen in den nackten häusern die körbe auf und nieder lodern die lampen betäubend schlägt der april durchs gläserne laub springen den frauen die pelze im park auf ja über den dächern preisen die diebe den abend als hätte wie eine taube aus weißem batist als hätte unvermutet und weiß und schimmernd die verschollene hinter den bergen den formeln die ausgewiesne auf den verwitterten sternen ohne gedächtnis verbannt ohne paß ohne schuhe sich niedergelassen auf ihre bittern todmüden jäger schön ist der abend. aus H. M. Enzensberger Verteidigung der Wölfe Frankfurt M. 1957 Dieser Text folgt der alten Rechtschreibung da die Rechteinhaber einer Anpassung an die Regeln der reformierten Rechtschreibung und Zeichensetzung widersprochen haben. 4. bersetzen Sie die berschrift ins Deutsche. 5. Beschreiben Sie mit Ihren Worten die zeitliche und räumliche Situation von der in dem Gedicht die Rede ist. 6. Durch welche Textelemente wird die Feststellung der letzten Zeile gerechtfertigt 7. Untersuchen Sie den Vergleichssatz als hätte ... in den Zeilen 9 bis 16 auf seine syntaktische Vollständigkeit hin. Welches Satzglied fehlt 8. Welchen Grund könnte der deutschsprachige Autor Enzensberger gehabt haben sein Gedicht mit einer englischsprachigen berschrift zu versehen Autor Viktor Rintelen 3 3 2003 Cornelsen Verlag Berlin Alle Rechte vorbehalten Klasse 11 Klasse 12 Klasse 13 Deutsch Sekundarstufe Cornelsen Verlag Literatur Sekundarstufe Klasse 11 Klasse 12 Klasse 13 Deutsch schreiben Sek Deutsch Arbeitsmaterialien

Information zum Unterrichtsmaterial

Nutzung
Statistiken
Fach Deutsch
Schulform Sekundarstufe
Klassenstufe Klasse 11, Klasse 12, Klasse 13
Methodik keiner Methodik zugeordnet
Materialtyp Arbeitsmaterialien
Binnendifferenziert Nein
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Seiten 3
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Veröffentlicht 14.03.2010
Beschreibung des Unterrichtsmaterials
Textauszüge aus Adornos Rede über Lyrik und Gesellschaft bereiten mittels entsprechender Arbeitsaufträge die Interpretation von Hans Magnus Enzensbergers Gedicht “call it love” vor.

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